Wohnbau Wulzendorferstraße

Baujahr: 1996
Ort: 1220, Wien
Wohneinheiten: 51

Bauträger: SEG

© Fotos: Mischa Erben

Dieses Wohngebäude umschließt einen Innenhof, dem die funktionale Zone der Wohnungen zugeordnet ist. Sämtliche Wohnräume orientieren sich nach außen, wobei großzügige Glasschiebeelemente an der Fassade den Übergang zwischen Innen und Außen - zwischen Raum und Umraum - fließend erscheinen lassen. Der geschosshohen Verglasung ist ein 60 cm breiter Putzbalkon vorgelagert, an dessen Aussenkante Stoffrollos angebracht sind. Die dezenten, ruhigen, grauen Stoffe sind als äußerste Schicht des Gebäudes seine physische Grenze, wie das üblicherweise der Verputz ist. Während nun die verputzte Wand nur verhüllen kann, gewinnt diese "Stoffwand" in ihrer Beweglichkeit neben dem Verhüllen das Enthüllen als zusätzliche, jedoch entscheidende Funktion hinzu.
Das Gebäude beginnt zu "atmen", sein Inneres wird nach außen gestülpt, das Haus entsteht in Überlagerung mit seinen "Eingeweiden":
… den agierenden Menschen auf der Bühne des Wohnens. So zum Beispiel erwacht das Gebäude morgens gemeinsam mit seinen Bewohnern …:
Die Offenheit der Grundrisse bietet eine Grundlage für unterschiedliche Reaktionen auf den Lauf der Dinge: Die tägliche Veränderung ermöglicht die Ausdehnung des Wohnbereiches am Tag, wobei die entsprechenden Wohnräume nachts als Schlafräume genutzt werden. Die zeitliche Veränderung spiegelt den zeitlichen Wandel der Familienstruktur wieder, einzelne Räume können dem Wohnbereich hinzugefügt oder von diesem abgeschlossen werden. Die jahreszeitliche Veränderung passt den Weg des Lichts oder auch der Luftbewegung durch die Wohnungen den jeweiligen Bedürfnissen an.
Wiederum können durch die individuelle Positionierung der verschiebbaren Wände nach Belieben Räume entstehen oder verschwinden.