Wohnbau Grieshofgasse

Baujahr: 1996
Ort: 1120, Wien
Wohneinheiten: 9

Bauträger: Stadt Wien

© Fotos: Manfred Seidl

Wir denken über die Fassade: Die Hülle muß sich anpassen, sich im Gleichklang mit dem Körpergefühl befinden, muß einmal leicht, lichtdurchlässig, offen - extrovertiert, das andere Mal geschlossen, geborgen, sicher - introvertiert sein. Die Hülle soll flexibel sein und nicht wie ein Korsett umschließen. Wir haben uns nicht mehr nur darauf beschränkt, durch das Öffnen oder Schließen der Schiebewandkonstruktionen im Rahmen eines kontinuierlichen Gesamtraumes einzelne Situationen zu ermöglichen (Räume verschwinden und entstehen). Hier haben wir auch die Raumaußenwand in die Rauminszenierung mit einbezogen. Es obligt dem Bewohner, sich von dem nach außen hin komplett offenen - extrovertierten Raum bis hin zum komplett abgeschlossenen - dem introvertierten Raum alle nur erdenklichen Konstellationen selbst zu wählen.
Diese Wohnungen sind so nutzungsneutral und flexibel wie nur irgend möglich. Außer der Naßgruppe ist auch hier so gut wie nichts festgeschrieben. Vier gleichwertige Räume voneinander getrennt durch die Schiebewandkonstruktionen und gruppiert um eine Verteilerzone, eine Servicezone.
Das Wesen unserer Architektur besteht also nicht in einer determinierten formalen Ausbildung der einzelnen Schichten selbst, sondern es entsteht durch die Art und Weise ihrer räumlichen Überlagerung, ihrer Selbstdarstellung nach außen und ihrer jeweiligen spontanen Benützung. Die wird sich demnach ständig verändern, immer jedoch den aktuellen Zustand des Gebäudes wiederspiegeln. Es ist eine Architektur ihrer eigenen Entwicklungsgeschichte, der Versuch eine "metamorphe Architektur" darzustellen.
Die Außenhaut selbst ist wiederum ein Denken in Schichten. Sie setzt sich zusammen aus einer zweischaligen Glashaut: außen eine Einfachverglasung, innen eine Isolierverglasung und dazwischen die dem Benutzer zur Verfügung gestellten Schiebetafeln.